Inzwischen ist unserer USA-Reise schon eine Woche her. So langsam schafft es mein Körper auch, sich an die sechs Stunden Zeitunterschied anzupassen. Die erste Woche war von “ich kann nicht schlafen” und “Was? Mitten in der Nacht aufstehen?” geprägt.
Wenn ich so zurückdenke, dann waren es drei ganz tolle Wochen. Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal (überhaupt?) so lange Urlaub gemacht habe. Drei Wochen habe auch gereicht, um mich wieder etwas ins Leben zurückzuholen. Vor dem Urlaub war meine Stimmung schon sehr von beruflichen Rückschlägen geprägt. Inzwischen ist das besser.
Claires und meine USA-Reise war zwar unsere erste gemeinsame, aber nicht meine erste. Dennoch sind mir einige Sachen aufgefallen, die so aus meiner deutsch geprägten Sicht der Welt unverständlich sind. In den kommenden Zeilen führe ich das mal ein bißchen aus – wer zur Lösung des einen oder anderen Rätsels beitragen kann, möge das bitte in den Kommentare tun.
Beim Blick in die lokale Zeitung (Maine), ist mir aufgefallen, daß Autos generell günstiger sind als bei uns. Mein erste Gedanke war “Klar, diese klapprigen Ami-Klitschen sind ja auch kein Geld wert”. Dann fiel mir auf, daß auch deutsche Autos durchaus billiger sind als bei uns. Warum ist das so? Liegt es daran, daß das Preisniveau in den USA so viel niedriger ist? Leben die Autobauer nach dem Motto “In Deutschland kann man das Geld verlangen, in den USA nicht”?
Warum sind die Straßen in so einem unglaublich schlechten Zustand? Selbst kurz nach dem Ende der DDR waren die meisten Straßen dort besser als heute in New York.
Auf unserer Tour von New York nach Norden – immer an der Küste lang, sind wir (wie wahrscheinlich viele Deutsche vor uns) durch Kittery gekommen. Dieser an sich malerische kleiner Ort hat, direkt am Highway gelegen, ein Outlet-Village. Das Prinzip lautet: Sale, Sale, Sale! Rabatte auf den eh schon günstigen Preis, so weit das Auge blickt. Dort passierte es, daß ich in einem Laden für Outdoor-Bekleidung und Campingzubehör einer Lautsprecherdurchsage lauschte, die mich doch etwas überrascht und sprachlos zurückgelassen hat. Das ging ungefähr so “… besuchen Sie auch unsere Waffenabteilung im 2. Stock, wo sie Amerikas beliebteste 22mm Pistole bewundern können. Kaufen Sie noch heute und nehmen weitere Rabatte in Anspruch”. Da wird einfach so Werbung für WAFFEN gemacht? Ich konnte es nicht glauben.
In den USA darf meinen keinen Alkohol kaufen, wenn man nicht mindestens 21 Jahre alt ist und in den Öffentlichkeit darf man dieses dann weder konsumieren noch sichtbar bei sich tragen. So viel wusste ich schon. Daß man aber im Supermarkt, beim Kauf von zwei Dosen Bier ernsthaft seinen Ausweis vorzeigen muß, obwohl man mit 37 Jahren doch (leider) schon deutlich älter aussieht, als 21 – das war mir doch neu. Warum machen die Amerikaner ganz selbstverständlich Werbung für Waffen, aber ein Bier darf ich nicht mal ohne Tüte aus dem Laden tragen? Dieser Widerspruch will sich bei mir irgendwie nicht auflösen.
Die allermeisten Amerikaner, die wir auf der Reise getroffen haben waren sehr freundlich und zuvorkommend. Das war sehr angenehm. Ich habe mich in der letzten Woche auch dabei erwischt, wie ich jemandem die Tür aufgehalten habe und dann noch brav bitte sagte. Jemanden angerempelt? “Entschuldigung” Jemand hält die Tür auf? “Danke!” – klar habe ich das auch vor der Reise gemacht, aber nicht so gründlich/regelmäßig. Was mich aber in den USA auf Dauer doch etwas genervt hat war das dauernde “How are you doing?” – Supermarktkasse. “How are you doing?” Tanke. “How are you today?” Motel? “How are you doing?” Geschäft. “How are you doing?” (gerne auch mal als ein zusammenhängendes Wort ausgesprochen). JA DANKE, ES GEHT MIR IMMER NOCH GUT! Hätte ich zu gerne dem einen oder anderen entgegengeschrien! Erwartet da wirklich jemand eine ernsthafte Antwort? Ich vermute nein. Aber vielleicht ist das auch meine manchmal ausgeprägte norddeutsche Art. Ich will dem Verkäufer im Laden, der einfach nur an der Tür rumsteht, nicht sagen müssen, daß es mir (selbstverständlich!) SUPER geht und ich auch ein ernsthaftes Interesse daran habe, daß es ihm auch “good” geht.
Zuletzt noch mein Lieblingsthema – Claire war schon leicht genervt von meinen dauernden Ausführungen: Handwerkliche Arbeit. Das ist etwas, was mir schon in den anderen USA-Aufenthalten aufgefallen ist und etwas, das ich auch bei Laborgeräten aus den USA zu bemängeln habe. Schild im Hotel? Hängt schief. Lampe? Verbogen. Schild im Fahrstuhl? Nur mit drei Schauben befestigt – zwei davon lose. Die vierte ist irgendwie abhanden gekommen. Notausgangschild? Schief. Türen? Klemmen. Haben sich anscheinend verzogen. Türgriffe? Wackeln (alle)! Türen gegen übrigens auch alle anders auf und werden anders abgeschlossen. Mal muß man den Schlüssel nach links mal nach rechts drehen. Man muß man den Schlüssel reinstecken und den Knauf drehen. Mal den Knopf auf dem Knauf drücken, mal den Schlüssel und dann den kleinen Drehknopf auf dem Knauf drehen. HALLO??? Das macht mich wahnsinnig! Kann man das mal vereinheitlichen? Wie wäre es mit einer AIN-Norm? Muß ja nicht gleich DIN-Sein. Duschen: Dasselbe Prinzip! 10 verschiedene Duschen, 20 verschiedene Arten das Wasser von Badewanne auf Dusche umzuschalten, von kalt auf warm usw. usw. Und von schrägen Duschstangen, schlecht verfugten Rändern reden wir da noch gar nicht! Bei solchem Handwerkspfusch frage ich mich allen Ernstes wie die es auf den Mond geschafft haben! Da ist nicht eine 2 cm Toleranz bei den Spaltmaßen drin! Und 10 Liter mehr oder weniger Treibstoff für die Raketen ist auch nicht so einfach zu übersehen. So bescheuert wie es klingt, aber ich kann echt verstehen, daß es ausländische Unternehmen gibt, die bei Maschinen und anderen hochwertigen Geräten Wert auf “Made in Germany” legen.
Und sonst so? Ach. Alles super!
Wer ein paar Schnappschüsse ansehen möchte, kann das gerne HIER machen.


